WAY OF THINKING

09.03.2018 - 20.04.2018

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Way of thinking

Die Galerie Frank Schlag & Cie. zeigt in den Räumen in der Teichstraße 9, 45127 Essen, eine Gruppenausstellung  zum Thema „WAY OF THINKING“ mit abstrakten Landschaftsdarstellungen der chinesischen Künstler He Sen, Ji Xu, Shen Chen und Zhang Jian.

Die chinesische Landschaftsmalerei unterscheidet sich von der abendländischen in vielerlei Hinsicht. Hier geht es nicht um Virtuosität und naturgetreue Darstellung des Gesehenen, sondern vielmehr um die Erzeugung von Stimmung und Atmosphäre. Berge und Gewässer sind die klassischen Hauptmotive der chinesischen Landschaftsmalerei und stehen in Analogie zum daoistischen Yin-Yang-Gegensatz. So steht der Berg für das starke, alles überragende Männliche und das Wasser für das weich-diffuse Weibliche, deren Attribute man auch auf die Tuschemalerei, mit ihren nassen und trockenen Pinseltechniken, übertragen kann, die ebenfalls als weiblich und männlich charakterisiert werden. Die Darstellung der chinesischen Landschaft birgt seit jeher Symbolisches, das dem westlichen Betrachter oftmals nicht sofort erschließbar ist. Das chinesische „Qi“ (oder auch Chi) beispielsweise bezeichnet eine Art Energie, die der Künstler aktiv auf seine Kunstwerke überträgt und zur Kontemplation in der Betrachtung anregt. In Zeiten der stetigen Entwicklung und Modernisierung, in denen Hektik und Leistungsdruck überwiegen, ist der Anreiz zur Rückbesinnung auf Spiritualität, Tradition und Natur groß. Die Künstler He Sen, Ji Xu, Shen Chen und Zhang Jian haben dabei ihre jeweils eigenen Herangehensweisen sowie Sichtweisen, die sie über ihre individuelle Mischung aus Tradition und Moderne transportieren.

He Sen wurde 1968 in der Provinz Yunnan während der Kulturrevolution geboren. Im Jahr 1989 absolvierte er sein künstlerisches Studium an der Sichuan Academy of Fine Arts in Chonqing. Der Künstler, der sich zunächst einer figürlichen Malerei verschrieben zu haben schien, zeigt nun traditionell chinesische Landschaftsmotive, die der, historisch wie kulturell, tief verwurzelten Malerei des „Shan Shui“ entsprechen. „Shan Shui“ steht für Landschaft und setzt sich aus den beiden chinesischen Zeichen für Berg und Wasser zusammen. Diese Bildthematik findet sich auch in den Arbeiten He Sen‘s, der die naturnahen Leitmotive aus den Zeiten der Song-Dynastie auf die zeitgenössische Malerei überträgt. Dabei spielen die Rückbesinnung zur Natur und Praktiken des Feng Shui oder auch des Taoismus mit Sicherheit eine signifikante Rolle. Es ist die tiefe Verbundenheit zur Natur, eine Art angeborener Charakterzug des chinesischen Volkes, der aus der uralten religiösen Naturverehrung und den philosophischen Denkweisen der einzigartigen Kultur Chinas herrührt, die sich in der Malerei He Sens wiederspiegelt. Dabei ist nicht die detailgetreue Wiedergabe der Naturerscheinungen von Bedeutung, sondern das, was der Künstler in ihr fühlt und was für Empfindungen die Atmosphäre im Betrachter auszulösen vermag.

Ji Xu, die 1963 in der Stadt Hefei, in der Provinz Anhui geboren wurde, entsprang einer Künstlerfamilie, in der sie bereits im Alter von 7 Jahren, unter Anleitung ihres Vater, die Malerei, das Zeichnen und die chinesische Kalligrafie zu studieren begann. Von 1982 bis 1986 absolvierte sie ein Studium an der Hochschule der Bildenden Kunst der Qing Hua Universität in Peking. Nach einer darauffolgenden Lehrtätigkeit als Dozentin an der Anhui Kunstakademie siedelte sie 1990 nach Deutschland über. An der Universität der Künste Berlin begann sie ein Studium auf Lehramt bei Prof. Heinrich Dreidoppel und anschließend der Freien Malerei bei Prof. Hans Jürgen Diehl, wo sie 1999 als Meisterschülerin den Abschluss machte. Nach wechselnden Aufenthalten in Peking und Berlin, lebte sie als freischaffende Künstlerin in Altensteig im Schwarzwald, wo sie 2014 verstarb.

Ji Xu‘s Zeichnungen bestechen durch ihren intensiven sowie farblich beinahe exzessiven Einsatz der nassen Tusche. Wie Farblandschaften erheben sich Hell und Dunkel auf dem Papier. Farbpaletten werden harmonisch kombiniert und ergeben kontrastreiche Nester, wie aus den Farbwelten der Natur entsprungen. Die wirren Geflechte wirken wie Verästelungen des Blattlaubs von Bäumen, legen aber auch wieder den Vergleich zu Gebirgszügen und fließend-sprudelnden Gewässern nahe. Auch hier wird eine Dynamik im Sinne des „Qi“, ein gewisses natürliches Eigenleben sichtbar, das die ganz besondere Sicht Ji Xu’s auf die Landschaft mit all ihren Facetten versinnbildlicht.

Shen Chen, 1955 in Shanghai geboren, besuchte von 1973 bis 1978 das Shanghai Art College. Nachdem er dort für einige Zeit als Lehrer tätig war, begann er an der Shanghai Acadamy of Theatre wieder Kunst und Design zu studieren. Heute lebt und arbeitet er in New York.

Shen Chen gehört zu den bekanntesten Vertretern abstrakter chinesischer Kunst. Im Sommer 1988 entwickelte er seinen eigenen unverwechselbaren Stil und fing an großflächige Gemälde, mit sich wiederholenden Mustern anzufertigen, indem er mehrere Farbschichten auftrug, um dem Bild Gewicht zu verleihen und fließende Farbverläufe zu schaffen. Er selbst beschreibt den Entstehungsprozess als Konzept der Selbstfindung und zugleich als Teil seines täglichen Lebens, wobei seine Arbeit für ihn eine Erfahrung ist, die Körper und Seele stärkt, weil Geduld und Durchhaltevermögen durch präzise Wiederholung getestet werden. In seinen Werken kann man den langen Weg der Entstehung erahnen und die faszinierende Stimmigkeit der einzelnen Farben und Verläufe in den Bildern förmlich fühlen. In Anlehnung an die Philosophie des Zen, dient die Malerei Shen Chen als eine Art Meditation und somit zur Flucht aus dem alltäglichen Lärm und Tumult der Städte, zurück zum Ursprünglich-Minimalistischen, wo er in seiner Inspiration voll und ganz aufgehen und den rationalen Impulsen folgen kann. So findet er zurück zur Natur und kreiert Landschaften von Geist und Seele.

Zhang Jian, 1968 in Peking geboren, studierte bis 1993 an der Central Academy of Arts. Seit 1995 wurden seine Werke in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen ausgestellt. Er lebt und arbeitet in Peking.

Inspiriert vom Impressionismus widmete sich Zhang Jian in den 1990er Jahren der Landschaftsmalerei. Seit dieser Zeit hat der Künstler sein Werk ständig modifiziert. Ab 2001 beschäftigt sich Zhang Jian in seiner Kunst mit dem atmosphärischen Spiel von Licht und Schatten. Fotografien ruhiger Landschaften und lebhafter Stadtszenen sind die Grundlagen für seine Werke, die er wie verwackelte Schnappschüsse mit Ölfarbe auf die Leinwand projiziert. Die Wischtechnik Zhang Jian’s erweckt das Gefühl, als wären diese Abbildungen von Momenten, die von einem leichten Nebel umgeben sind, seine persönlichen Erinnerungen und Erfahrungen. Die städtische sowie natürliche Umgebung Pekings und damit der direkte Lebensraum Zang Jian‘s schreiben sich in sein Werk ein. Die ruhigen Gewässer des idyllischen Houhai Gebietes stehen dabei in Kontrast zu den urbanen Stadtlandschaften Pekings. Zhang Jian‘s Arbeiten verdeutlichen, wie chinesische Künstler von den Veränderungen der Verstädterung und Modernisierung Chinas in ihrem Schaffen beeinflusst werden und wie bedeutsam es ist, die Kultur und das traditionell ursprünglich Natürliche zu bewahren.

Die Vernissage findet am Freitag, dem 09. März 2018, von 17.00 Uhr bis 21.00 Uhr statt. Die Werke werden bis zum 20. April 2018 zu sehen sein.